Geschafft! 40 x 4:30 Uhr

Heute war mein letzter Tag des Sadhanas und ich muss sagen: Ich bin froh! Froh es geschafft zu haben, aber auch froh, dass es endlich vorbei ist.

Heute morgen fällt mir das Atmen besonders schwer. Ich schaffe es nicht mal am Stück durch die 1-minütigen Intervalle, ohne die Atmung abzusetzen. Mal abgesehen von den Beinen, die ich eigentlich anheben müsste; aber das hat in den 40 Tagen kein einziges Mal für die volle Länge einer Minute geklappt. Aber das stört mich heute nicht. Denn ich freue mich:

In gut einer dreiviertel Stunde habe ich es geschafft: 40 x 4:30 Uhr

 

Aber fangen wir von vorne an.

Der erste Tag des Sadhana lief super! 04:30 Uhr fällt mir komischerweise 100 Mal leichter als z.B. 06:00 Uhr und ich bin motiviert die 40 Tage „durchzuziehen“. Im Vorfeld dachte ich, die Uhrzeit und die kalte Dusche würden am schwierigsten sein. Wie sich aber herausstellte, fiel es mir bis zum Schluss am schwersten 3 x 11 Minuten Savasana am Tag zu üben. Keinen einzigen Tag habe ich es 3 Mal geschafft.

Gut. Zugegebenermaßen, die kalte Dusche ist mir bis heute nicht ans Herz gewachsen, aber sie ist tatsächlich aushaltbar.

Natürlich bin ich furchtbar neugierig auf die Wirkung, die das rund 45-minütige Programm mit sich bringen soll. Ich fühle mich gut. Die ersten Tage bin ich tatsächlich wacher, habe mehr Energie. Zwar habe ich mich nach meinem Sadhana wieder ins Bett gelegt, schlafen konnte ich dann aber nicht mehr. Zumindest Anfangs nicht.

Nach rund einer Woche habe ich meine Periode bekommen, so dass ich die kalte Dusche ausfallen lassen 'durfte'. Ich muss zugeben, ich habe mich noch nie so sehr gefreut meine Tage zu bekommen. Leider hat mich das aber insgesamt eher aus dem Trott gebracht. Die morgendliche Routine war noch nicht gefestigt genug, um einfach wieder einzusteigen, nachdem meine Periode vorüber war.  Zudem folgte ein Winterurlaub mit meinem Vater. Zu unserer Überraschung bestand unser Apartment aus nur einem Raum. Ein Raum für kochen, wohnen, schlafen und Yoga. Ich musste also morgens auf den wenig gemütlichen Flur ausweichen, um meine Atemübungen zu machen. Um meinen Vater nicht aufzuwecken, habe ich das morgendliche duschen auch nach meiner Periode erstmal weg gelassen.

Als ich begonnen habe, war ich ganz eisern und habe versucht strikt zu befolgen, was auf dem Plan stand. Es fiel mir auch unglaublich schwer die Hemmungen zu überwinden und salopp gesagt 'hechelnd vor anderen Leuten im Flur zu liegen'.

Nachdem ich aber ohnehin „eingebrochen“ bin, fielen mir viele Gründe ein, warum man Dinge anders machen kann oder sie gar nicht machen sollte. Und weil ich eine Meisterin darin bin, mir Dinge schön zureden, habe ich mir direkt die passende Ausrede parat gelegt... Ist ja irgendwie auch Ahimsa, wenn ich meinen Vater nicht so früh am morgen mit meinen Aktionen wecke... Letztendlich führte das Schönreden dazu, dass ich einen Tag gar nicht aufgestanden bin und den Nächsten dann auch nicht. Schließlich hat man ohnehin schon versagt.

 

Das war für mich der Anlass zu sagen 'Ich starte nochmal neu'. Und dieses Mal habe ich es dann auch geschafft.

 

Der zweite Anlauf fiel mir leichter, weil ich natürlich schon eine gewisse Routine in den Handlungen hatte und nicht immer mit der Nase auf dem Anleitungszettel kleben musste, um zu wissen, was als nächstes kommt. Und ich muss sagen, irgendwie mochte ich die Zeit, die ich morgens ganz für mich alleine hatte. Ich mochte die Stimmung, die morgens herrscht und liebte es zu beobachten, wie es Tag für Tag heller wurde.

Dennoch bin ich froh, dass es vorbei ist. Das Sadhana hatte nämlich nicht nur positive Effekte.

Ich bin ohnehin ein Mensch mit chronisch kalten Füßen und so sehr man sich an die Idee von theoretisch super durchbluteten Füßen nach der kalten Dusche klammert, die Füße waren jedes Mal Eisklötze und es dauerte ewig, bis sie wieder warm geworden sind.

Wenn mein Freund nett genug war, durfte ich meine kalten Füße bei ihm unter die warme Decke stecken. Apropos mein Freund: Der war besonders zum Ende hin schwer genervt von meinen nächtlichen Aktionen. So leise ich auch versucht habe zu sein, natürlich hörte auch er den Wecker um 4:30 Uhr. Und natürlich hörte er auch die Dusche, wenn das Haus und die Straßen des nächtens still geworden sind. Und ja, er ist wieder eingeschlafen, aber der neue Tagesablauf hat unseren Rhythmus stark verändert. Ich bin abends früher müde und morgens, nachdem ich wieder ins Bett geschlüpft bin, bin ich regelmäßig wieder in einen komatösen Tiefschlaf gefallen, aus dem es mir sehr schwer viel wieder aufzuwachen. Ein gemeinsames Frühstück war nicht mehr möglich.

Auch die tägliche Nasendusche hat ihre Spuren hinterlassen. Meine Schleimhäute scheinen empfindlicher und ich habe in den letzten zwei Wochen verstärkt grundlos Nasenbluten bekommen.

Viele der Übungen habe ich auch schon vorher sporadisch gemacht. Öl ziehen oder Nasendusche bei Erkältung zum Beispiel. Oder frühes Aufstehen, wenn ich wichtige Texte für meinen Job schreiben musste. Ich weiß, dass ich morgens konzentrierter bin und der Output wesentlich effektiver ist.

Dieses Sadhana Programm werde ich allerdings so in meinem Alltag nicht fortführen, sondern wieder zu meinem eigenen Programm zurückkehren. Auch meinem Freund zuliebe. Womit wir vielleicht doch wieder bei Ahimsa angekommen wären...