Es atmet Dich

Der Atem - ein großes Thema im Yoga. Wir können ihn beobachten, kontrollieren, in gewissem Maße steuern - und dennoch nicht zur Gänze bezwingen. Ohne Atem kein physisches Leben.

Sobald wir mehr als 3 Minuten ohne Sauerstoffzufuhr sind, nimmt unser Gehirn Schaden. Der Atem ist so existenziell wichtig, und doch nehmen wir ihn als Selbstverständlichkeit wahr, vergessen und vernachlässigen ihn. Nicht so im Yoga. Dort weiß man um die Kraft und Macht des Atems. Mit ‚Pranajama‘‚ den Atemtechniken im Yoga, kann unsere Lebensenergie (‚prana‘) gesteuert werden. Der große indische Lehrmeister B.K.S. Iyengar hat dem Thema Pranajama einen 300-Seiten Wälzer gewidmet, ein unverzichtbares Standardwerk für Yoga Praktizierende.

Auch wir werden uns im Laufe unserer Ausbildung noch eingehend mit Pranajama beschäftigen. Doch bevor wir uns der hohen Kunst des Atmens zuwenden dürfen, müssen wir erstmal die physischen Grundlagen und Mechanik der Atmung verstehen. 

Im Ruhezustand macht ein durchschnittlicher Erwachsener 16-18 Atemzüge in der Minute. Dabei liegt die durchschnittliche Lungenkapazität bei einem Atemzugvolumen von einem halben Liter. Durch gezielte Ausdauersportarten und Atemtechniken kann unsere Lungenkapazität gesteigert werden, und somit auch unser körperliches Wohlbefinden. Besseres atmen, besseres Leben. Warum?

Wir atmen über den Mund oder die Nase sauerstoffhaltige Luft ein und mit Kohlendioxid angereicherte Luft wieder aus. Wird die Ausatmung verlängert, vergrößert sich der CO2 Ausstoß, verbrauchte Luft und Giftstoffe werden abgeführt und der Körper entsäuert und entstresst. Die Kraft für das Ein- und Ausatmen holen wir aus dem Zwerchfell, dem Muskel, der sich unwillkürlich zusammenzieht und für die Wölbung und Senkung der Bauchdecke sorgt. Das Zwerchfell wird vom Atemzentrum im Gehirn angetrieben, und durch die Nerven an die entsprechenden Muskeln weitergegeben. Unser Gehirn gibt also den Impuls zum atmen. Diese einzigartige und rätselhafte Masse, die auch unser Denken und unser Bewusstsein steuert, und bei der die Wissenschaft an ihre Grenzen stößt. Aber das ist uns Yogis egal, denn wo die Wissenschaft aufhört, geht es beim Yoga erst so richtig los…