Anatomie

Gastrocne... wie? Quadri...was? Dorsal, ventral, ... wohin nochmal? Ganz richtig. Du ahnst es schon: Anatomie stand auf dem Lehrplan... Ein Hammerwochenende mit vielen fremden Wörtern, so prall gefüllt mit Fakten und hin und wieder auch kleinen und größeren verzweifelten Fragezeichen in meinem Kopf. Vor allem wenn ich an die Prüfung in einem Jahr denke. Und daran, dass ich spätestens dann all die Dinge wissen muss. An dieser Stelle kann man sich zur lauthaften Untermalung getrost den Schrei von Janet Leigh in „Psycho“ vorstellen.

Den ganzen Samstag haben wir uns also mit Anatomie beschäftigt, der Lehre vom Aufbau des Organismus. Der Unterricht beginnt gnadenlos: mit Vokabeln – ein ungeliebtes und längst hinter mir geglaubtes Lernelement aus der Schule. Um die unterschiedlichen Bewegungen der Muskeln und Gelenke benennen zu können, brauchen wir sie aber, Wörter wie Pronation, Supination, Flexion, Abduktion und derer mehr.

 

Wir arbeiten uns von innen nach außen. Nachdem das Skelett von Kopf bis Fuß besprochen ist, geht es über die verschiedenen Gelenkformen, hin zu den Sehnen, Bändern und Muskeln.

O.K. Ich muss zugeben, das Meiste hat man schon mal irgendwo, irgendwie gehört oder gelesen. Ob nun im Bio-Unterricht in der Schule oder auf irgendwelchen Arztberichten (ich werde mir direkt nochmal den MRT-Bericht von meinem kaputten Knie zu Gemüte führen, vielleicht verstehe ich ja endlich wovon die da schreiben). Auch der erste Schreck über all die Fremdwörter verliert sich etwas. Tatsächlich kann man sich die meisten der besprochenen Körperteile ganz gut in den verschiedenen Asanas vorstellen. Mir hilft das beim Merken jedenfalls ungemein.

Die Arme sind quasi genauso aufgebaut wie die Beine, von den gerade- und querverlaufenden Bauchmuskeln habe ich schon in sämtlichen Frauenmagazinen gelesen und auch tieferliegende Muskeln wie der – salopp gesagt - „Psoas“ sind mir als sitzend arbeitender Mensch ein Begriff.

 

 

Plötzlich erscheint mir das ganze Unterfangen doch nicht mehr ganz so aussichtslos. Die Theorie war noch nie meine Stärke, umso besser, dass es in unserem Unterricht auch handfeste Bestandteile gibt. Nachdem wir den Körper theoretisch durch gewälzt haben, gilt es die einzelnen Muskeln, Wirbel und Knochen an uns zu erspüren und einzuzeichnen.

So habe ich Menschen noch nie angefasst und ich bin überrascht, was man alles fühlen kann - wenn man nur weiß, was man da gerade in den Händen hat. Zu den einfacheren Dingen zählen mit Sicherheit der siebte Halswirbel oder auch das Kreuzbein. Die zweite Rippe hingegen oder die Querfortsätze unseres ersten Halswirbels, des Atlas, sind schon wesentlich schwieriger zu ertasten.

 

Es zeigt mir einmal mehr, wie unterschiedlich – trotz der, ich nenne es mal gleichen Bauweise, unsere Körper doch sind. Es bedarf so viel Übung und Fingerspitzengefühl, all diese Körperteile zu ertasten, da erscheint es mir fast leichter all die Theorie, die Baupläne sozusagen und die Vokabeln zu lernen...